Praxis Dr. med. Thomas Bonath |
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Ess-StörungenVerhaltensweisen bei Ess-Störungen Wie bei vielen Suchterkrankungen ist der Einstieg in die Erkrankung oft nicht plötzlich und schnell, sondern schleicht sich ein. Irgendwann merkt man, dass mit dem eigenen Essverhalten etwas nicht stimmt, gesteht sich selber aber nicht ein, dass ein schwerwiegendes Problem entsteht. Man wiegt sich immer noch in der Illusion, dass es nur ein sehr vorübergehendes Verhalten ist und dass man es sofort von sich aus verändern kann - wenn man nur will. Das Merkwürdige ist nur, dass man genau in diesem Moment eben nicht will, natürlich immer aus einem "nachvollziehbaren Grund". Das normale Verhalten wird aber mit Sicherheit wieder erreicht- ganz klar…morgen! Außerdem gibt es ja immer wieder Momente oder Phasen, wo es ja schon viel besser geworden ist, wo man merkt: "alles im grünen Bereich, alles unter Kontrolle!" Dass es einem unerklärlicher Weise nach dem normalen Verhalten so viel schlechter geht, das erklärt sich selbstverständlich daraus, dass der Körper es wegen der "Diät" noch nicht gewöhnt ist, sich wieder normal zu ernähren. Aber morgen wird's besser - natürlich! Der innere Druck, das sind nur so eine Art Verdauungsstörungen - ganz klar. Oft gelingt es dem Betroffenen, sich selber mit großem Erfolg und sehr lange eine Normalität vorzugaukeln. Auch gegenüber der Familie und Freunden wird lange Zeit der Schein gewahrt. Es ist immer wieder verblüffend, wie weit z.B. die Unterernährung bei der Magersucht fortgeschritten sein kann, bevor im sozialen Umfeld die Alarmglocken schrillen. Maren ist zwölfeinhalb Jahre alt. Ihr Gewicht hat die Grenze zum Normalen schon lange unterschritten. Dennoch merkt das keiner. Dass sie dünner, blasser und "irgendwie durchscheinender" geworden ist, fällt zwar schon etwas auf, wird von Familie und Freunden aber auf die Pubertät zurückgeführt. Anfangs bekommt Maren hier auch noch positives feedback. In der Kindheit war sie ein richtiger Rauschgoldengel, leider auch ein bisschen pausbäckig, fand ihre Mutter. Nun erkennt man mehr die vornehmen Züge einer jungen Dame. Dass sie nicht mehr zum Schwimmen geht, sich im Bad immer einschließt und jede Situation vermeidet, wo man sie unbekleidet sehen könnte, wird als altersentsprechende Entwicklung des Schamgefühls verstanden. Ihr Rückzug aus Schwimm- und anderen Sportvereinen wird auch hingenommen, da sie ihr Interesse ja auf Leichtathletik und vor allem Joggen verlagert hat. Nach einem besonders ausgedehnten Lauf im Sommer klappt Maren dann zusammen. Erst beim Besuch bei dem hinzu gezogenen Hausarzt wird das mittlerweile massive Untergewicht erkannt. Häufiges Verhalten bei Magersucht Die nachfolgend aufgezeigten Verhaltensweisen sind Hinweis auf eine bestehende Magersucht. Wenn einige davon nicht zutreffen, bedeutet dies nicht, dass diese Problematik sicher auszuschließen ist. Die Nahrungsaufnahme wird stark eingeschränkt. Dies muss nicht in jedem Fall eine Mengeneinschränkung sein. Nicht selten ist besonders anfangs eine Verlagerung zu großen Mengen an Nahrungsmitteln mit niedrigem Kaloriengehalt zu beobachten. Salat wird in großen Mengen verzehrt, aber ohne Öl oder andere fetthaltige Zusätze. Fett löst Wider willen und Ekelreaktionen aus. "Selbst die Sonnencreme verwendete meine Tochter nicht mehr, weil da Kakaobutter drin ist", berichtete eine Mutter. Kalorien werden in allem und jedem gezählt. Das Thema Essen nimmt einen immer größeren Raum in der Gedankenwelt ein. Der eigentliche Lustgewinn besteht darin, auf "schlechte" Nahrungsmittel zu verzichten. Häufig wird zum Ausgleich und zur Kontrolle ein paradoxes Verhalten beobachtet. Eine Zeit lang übernimmt die Betroffene die Rolle des Küchenchefs, versorgt besonders "gut" die ganze Familie, auch gerne mit Sahnesaucen und Kuchenstücken, - isst aber selber nichts davon. Für sich selber sucht die Betroffene vor allem Kalorien-arme Speisen aus: "Lightprodukte" ,Gemüse wie Broccoli oder Blumenkohl, Wasser und Tee. Es werden große Mengen getrunken, um das Hungergefühl zu besänftigen. Gerne werden Süßstoffe verwendet oder sogar gelutscht, kalorienfreies Kaugummi, zuckerfreie Bonbons. "Gesellschaftlich anerkanntes Gesundes" wird bevorzugt, unterstützt durch Vitamintabletten. Anderes Essen wird gekaut, aber heimlich wieder ausgespuckt. Das Essen wird zum Ritual. Lebensmittel werden nach immer komplizierter werdenden Vorgaben gegessen, in bestimmten Reihenfolgen, in bestimmter Menge, zu bestimmten Zeiten, nur in bestimmter Gesellschaft - am liebsten und meist allein. Es werden zunehmend Begründungen und Ausreden gefunden, um nicht an gemeinsamen Essen teilnehmen zu müssen. Es wird gewogen und abgezählt. Vermeintlicher Ausgleich durch Sport wird geradezu zum Zwang. Wege werden stets im Eiltempo zurückgelegt und künstlich verlängert durch das Laufen von Umwegen oder gar in Schleifen. Mit Lust werden Treppen hochgerannnt, und das möglichst mehrfach. Der soziale Aspekt von Sport, die Bewegung in Gemeinschaft wird jedoch meist eingeschränkt, anonyme Situationen werden bevorzugt. Statt Volleyball oder Handball also lieber stundenlang auf den Stepper im Fitness-Studio. Besonders wenn der in einer Ecke steht, wo man nicht so gut gesehen wird. Als effektiv werden auch selbstquälende Massnahmen betrachtet, ständig stehen, wenn man schon sitzen muss, dann unter Anspannung großer Muskelgruppen, beabsichtigtes Frieren oder kalte Duschen. "Nervös und getrieben", so wirken die Betroffenen häufig auf die Umgebung. Die erklärt sich das Verhalten oft mit der Schwellensituation "Pubertät". Die Patienten strahlen eine innere Ruhelosigkeit aus, wirken fahrig und "hyperaktiv". Sie können häufig soziale Kontakte nicht lange ertragen, brechen sie ab, wirken unkonzentriert, scheinen nicht zuhören zu können. Ganz schön einsam Die Krankheit verlangt volle Aufmerksamkeit der Betroffenen, wie ein eifersüchtiger Liebhaber lässt sie keinen Kontakt zu anderen zu. Aktivitäten und Treffen mit Freunden werden mehr und mehr reduziert, anfangs um nicht in die Situation zu kommen, mit jemandem etwas essen zu müssen, dann weil der Vergleich mit anderen immer zu eigenen Ungunsten ausfällt. "Alle sind schön, schlank, besser - ich bin hässlich , blöd und fett!" "Wenn ich dann weggehe, zerreißen die sich bestimmt über mich das Maul!" Komplimente können nicht angenommen werden, sondern werden als "Verarschung" interpretiert. Lustlosigkeit und Trauer, Antriebslosigkeit und Müdigkeit sind beständige Begleiter. "Lieber gehe ich schlafen, da muss ich nicht essen!". Der Familie gegenüber ist die Betroffene oft schroff und gereizt, was ihr aber dann ein schlechtes Gewissen macht. Also schaut sie 3 Kochshows und schlägt in Büchern nach, um durch ein gelungenes mästendes Menü, ihr Verhalten wieder gut zu machen. Bei dem Essen wird sie aber nicht teilnehmen, da sie "schon so viel kosten musste, es so anstrengend war und sie jetzt dringend ins Bett muss." Sie haben oft ein dringendes Verlangen nach einer Beziehung, nach einem Freund, sind aber der festen inneren Überzeugung, "niemanden erobern zu können, hässlich und fett wie sie sind." Es ist ihnen schon selbst zuwider sich anfassen zu müssen beim Waschen oder Eincremen, von jemand anders berührt zu werden können sie nicht ertragen, da "der ja dann das ganze Fett bemerkt." "Das tiefe Loch - der Essanfall" Es ist nicht so, dass Magersüchtige keinen Hunger verspüren - im Gegenteil, sie haben ständig Hunger. Was nicht weiter verwundert, da sie ja auch tatsächlich hungern. Der Körper schreit geradezu nach Nahrung. Das Ausüben des sich Versagens, die Kontrolle hierüber ist der eigentliche Sieg; Essen dann die Niederlage und der vermeintliche Rückfall. Häufig ist dies dann auch ein Brechen der Dämme, ein Zusammenbrechen jeglicher Kontrolle. Es werden große Mengen an Essen und eine teilweise irrwitzige Menge an Kalorien dem Körper zugeführt, in sich hinein gestopft. "Reue" Nach dem "Schwachwerden", dem vermeintlichen Versagen durch das Befolgen eines Körpersignals, kommt es häufig zu einer Wiedergutmachung durch ein verstärktes Störungsverhalten. Die oben beschriebenen Symptome werden verstärkt eingesetzt, eventuell ergänzt durch selbst herbei geführtes Erbrechen oder den Gebrauch von Abführmitteln oder Darmeinläufen. Es soll alles so schnell wie möglich wieder heraus, um nicht wieder zur Gewichtszunahme zu führen. Leide ich an Magersucht? Der nachfolgende Fragebogen wurde entwickelt von Susan Schulherr, einer New Yorker Psychotherapeutin (aus "Essstörungen für Dummies", 1. Auflage 2009,Wiley-Verlag,S. 57-58). Anleitung: Kreuzen Sie alle Aussagen an, die ganz oder teilweise auf Sie zutreffen. Auswertung am Ende.
Auswertung: Für jede zutreffende Aussage geben Sie sich einen Punkt. Für jeden angekreuzten Unterpunkt der Frage 18 ist jedenfalls ein Punkt zu berechnen. Wenn Sie mehr als 12 Punkte gesammelt haben, ist das ein Grund zur Sorge. Sie bewegen sich auf die Magersucht zu. Es ist in jedem Fall besser, sich jetzt schon mit der Symptomatik auseinanderzusetzen, als zu warten, bis der Prozess fortgeschritten ist. Denn dann haben sich die Symptome bereist festgesetzt und Sie verspüren bereits die körperlichen Auswirkungen der Essstörung. Wenn sie 20 Punkte oder mehr erreicht haben, haben Sie bereist ein magersüchtiges Verhaltensmuster entwickelt. Für Ihre Gesundheit und Ihr emotionales Wohlbefinden ist es äußerst wichtig, dass Sie unverzüglich eine Diagnose stellen lassen und sich nach den besten Therapiemöglichkeiten erkundigen. Häufiges Verhalten bei Bulimie Kann die Magersucht schon lange verheimlicht werden, gelingt dies bei der Bulimie oft noch viel länger. Man führt ein geheimes Leben, das im Verborgenen aber zunehmend an Einfluss auf die Betroffenen gewinnt. Bei belastenden Situationen kennt man bald nur noch eine Lösung: schnell möglichst viel Essen in sich hineinstopfen, um es dann wieder "los zu werden", entweder durch Erbrechen oder durch abführende Maßnahmen. Nach jedem dieser Anfälle fühlt man sich schlecht, schuldig, beschmutzt und demoralisiert. Die vermeintlichen Lösungsversuche steigern sich zu regelrechten Fress-Orgien, die nicht mehr kontrollierbar sind. Oft verringert sich anfangs der innere Druck noch während des Anfalls, steigert sich aber im Nachhinein durch die auftretenden Schuldgefühle umso mehr… und bereitet dadurch den nächsten Anfall vor. Ein richtiger Teufelskreis. Die Anfälle werden meist regelrecht geplant. Nina (19) beschreibt: "Es kommt das Gefühl auf: "Etwas belastet mich, ich halte es nicht mehr aus und muss was tun… Zum Kotzen. Dann läuft ein regelrechtes Ritual ab. Der nächste Supermarkt wird gestürmt und massenhaft eingekauft. Hierbei achte ich weniger auf Geschmack oder auch Kalorien, sondern ein wichtiges Kriterium ist, wie sehr es beim Herauswürgen schmerzt und wund macht. Deshalb nehme ich häufig lieber schleimige Lebensmittel. Dies geht häufig auch ins Geld. Nicht selten auch aus Wut darüber, dass andere an meinem Elend verdienen, wird das eine oder andere an der Kasse vorbei geschleust. Besonders die teureren Sachen. Auch betreibe ich eine regelrechte Logistik beim Einkaufen, um geheim zuhalten, dass ich schon wieder 2 Kilo Joghurt und 20 Bananen kaufe. Erwischt es mich am Wochenende, helfen Tankstellen oder Pizza-Service, die ich aber oft wechsle damit keiner was merkt. Ich habe auch schon mal durchgerechnet, was es kosten würde, zu McDonalds zu gehen und zu sagen: "Einmal alles!" Geht eigentlich sogar. Zuhause werden dann Mengen verdrückt, mit denen man eine ganze Familie mehrere Tage ernähren könnte. Zu Beginn kann durchaus ein Hoch- ja Lustgefühl aufkommen, die aber bald wieder den Schuldgefühlen und einer abgrundtiefen Energielosigkeit weichen. Ich hatte mich eigentlich noch mit Freundinnen verabredet, aber dann muss ich wieder im letzten Moment absagen. Das tue ich oft und die sind mittlerweile sauer. Aber ich muss es ja wieder los werden. Wenn ich alleine zuhause bin, geht das mit dem Erbrechen am besten. Passiert es mir aber auf einer Party kann ich natürlich nur hoffen, dass keiner die Mengen mitbekommen hat, die ich in mich stopfte. Auf der Toilette lasse ich dann das Wasser laufen, damit man die Würge-Geräusche nicht hört." Typisch für die Essanfälle sind folgende Parameter:
Danach muss man alles wieder loswerden. Hierzu werden:
Die Essanfälle kommen durchschnittlich 2 Mal in der Woche, können sich individuell aber exzessiv steigern. In den Phasen dazwischen wird Ernährung restriktiv behandelt. Die Ernährung ist oft einseitig, meist "gesund" durch die Verwendung von light-Produkten, die Mahlzeiten, besonders die erste werden heraus geschoben; die Gedanken kreisen ums Essen, aber nicht aus Hunger, sondern mit dem permanenten Gefühl, dass man mit ein paar Kilo weniger mehr Selbstbewusstsein hätte und attraktiver wäre. Entweder wird eine Vorratshaltung von Lebensmitteln vermieden, um einem Anfall vorzubeugen, oder heimlich gehortet, um gewappnet zu sein. Wie schon oben von Nina beschrieben, kommt es auch bei der Bulimie zum sozialen Rückzug. Es wird aber zunächst der Kontakt zu Freunden und Bekannten aufrechterhalten. Einladungen werden angenommen, jedoch kurzfristig wieder abgesagt. Das hat teilweise auch damit zu tun, dass das Essen in Gesellschaft angstbesetzt ist. Wie schon beschrieben, wird der Anfall als übermächtig und nicht willentlich beeinflussbar erlebt: dies löst die Angst aus, auch in Gesellschaft die Kontrolle zu verlieren und das Leiden nicht mehr geheim halten zu können. Das geringe Selbstwertgefühl bringt die Betroffenen auch dazu sich permanent mit anderen zu vergleichen. Zum Ausgleich für vermeintliche eigene Schwächen wird dann durch erfundene Erlebnisse und Begegnungen eine Fassade errichtet, hinter der man vom eigenen "Nicht-Genügen" absolut überzeugt ist. Die Beziehungsregelung, auch zu potentiellen Partnern ist nicht ausgeglichen, sondern immer in Extremen gestaltet: "ich tue erst, als sei ich die Großfürstin oder das Topmodel, und verkaufe mich dann bis zur Peinlichkeit unter Wert, wenn einer auch nur geringes Interesse Zeigt. Das erlöscht dann meistens sehr schnell - was mich wieder bestätigt." Ist die Betroffene allein, stellen sich häufig depressive Symptome ein. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, negatives Gedankenkreisen und Grübeln, Konzentrationsstörungen und innere Unruhe machen den Alltag zur Hölle und verhindern Erfolgserlebnisse. Leide ich an Bulimie? Auch dieser Test ist dem Buch von Susan Schulherr entnommen. Anleitung: Kreuzen Sie alle Aussagen an, die ganz oder teilweise auf Sie zutreffen. Auswertung am Ende.
Auswertung: Geben Sie sich für jede Aussage, die Sie angekreuzt haben, einen Punkt; und je einen Punkt für jede Unterpunkt der Aussagen 6, 12, 13. Wenn Sie 8 Punkte oder mehr erreicht haben, finden sich bei Ihnen viele Anzeichen eines möglichen bulimischen Verhaltensmusters. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Behandlung viel leichter als später, wenn die Symptome bereits Fuß gefasst haben. Wenn Sie 15 Punkte oder mehr erreicht haben, drängt sich der Verdacht auf, dass Sie an Bulimie leiden. Sie sollten auf jeden Fall eine gesicherte Diagnose stellen lassen und den Therapie-Empfehlungen folgen. Häufiges Verhalten bei Binge eating Bei der binge-eating-Störung handelt es sich um die häufigste Ess-Störung. Die Krankheit gewinnt in den letzten 2 Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung. Sie ist allerdings nicht gleichzusetzen mit Fettleibigkeit oder Übergewicht alleine. Vielmehr äußert sie sich in immer wieder, regelhaft auftretenden Essanfällen, die als unkontrollierbar erlebt werden. Der Erkrankte hat das Gefühl, mit dem Essen nicht aufhören zu können. Der Patient schlingt das Essen herunter bis zu einem unangenehmen Völlegefühl - auch wenn gar kein Hunger bestanden hat. Hierbei werden enorme Mengen von Nahrungsmitteln verschlungen. Diese Ess-Anfälle werden häufig in aller Heimlichkeit durchgeführt, da man wegen der übergroßen Menge verlegen ist. Sie werden begleitet von Ekel vor sich selbst, Schuldgefühlen und Deprimiertheit. Diese Gefühle halten nach den Attacken noch sehr lange an. Im Gegensatz zur Bulimie werden aber keine massiven Methoden zur Korrektur des Gewichts wie Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln vorgenommen. Häufig wird versucht, durch eine Vielzahl von Diätversuchen ein reduziertes Gewicht zu erreichen. Aber: "diet always starts tomorrow…" Der Fress-Diät Zyklus lässt sich dauerhaft nicht unterbrechen. Dieses Scheitern aller Bemühungen löst Verzweiflung aus und verstärkt den Mangel an Selbstwert und Selbstachtung. Selbstwert hängt auch hier in erster Linie vom Gewicht ab. Es werden aber nicht die euphorischen Momente der anderen Essstörungen erreicht, in denen der "Rausch der Kontrolle" Glücksmomente auslöst. Deshalb ist binge-eating besonders häufig mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depression verbunden. Heimlichkeit, mangelnde Selbstachtung und Depression führen vermehrt in sozialen Rückzug und den Teufelskreislauf hinein, dessen Ausdruck die Ess-Anfälle sind. Leide ich an einer Binge-Eating-Störung? Die folgenden Fragen können Ihnen dabei helfen herauszufinden, ob Ihr Denken und Essverhalten zum Profil einer Binge-Eating-Störung passt. Auch dieser Test stammt aus dem oben erwähnten Buch von Susan Schulherr. Beachten Sie bitte, dass dieser Fragebogen keinesfalls eine kompetente Diagnose durch einen qualifizierten Psychologen ersetzen kann, der in der Behandlung von Essstörungen erfahren ist. Anleitung: Kreuzen Sie alle Aussagen an, die ganz oder überwiegend auf Sie zutreffen. Was Ihre Antworten bedeuten, erzähle ich Ihnen anschließend.
Auswertung: Geben Sie sich einen Punkt für jede Aussage, die Sie angekreuzt haben. Wenn Sie 12 oder 13 Punkte erreicht haben, finden sich bei Ihnen viele Warnhinweise auf eine Binge-Eating-Störung. Unter Umständen tänzeln Sie auf dem schmalen Grat zwischen gestörtem Essverhalten und einer Essstörung. Tun Sie etwas! Am besten gleich! Wenn Sie 15 Punkte oder mehr erreicht haben, drängt sich der Verdacht auf, dass Sie an einer Binge-Eating-Störung leiden. Das Bewusstsein für die Behandlungsnotwendigkeit von Binge-Eating-Störung wächst. Judith - Ein Fallbeispiel
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